Man schreibt den 26. August im Jahre des Herrn 1346, eine Epoche die spätere Generationen den Hundertjährigen Krieg nennen werden. Heute ist ein sehr heißer und schwüler Sommernachmittag, und am Himmel ziehen die ersten Wolken eines Gewitters auf. Der Französische König Philip VI. mit seinem mächtigen Heer, bewegt sich von Süden auf die kleine Ortschaft Crècy en Ponthieu zu. Auf einem flachen Hang nordöstlich des Städtchens, wartet hier sein Gegner auf ihn, um sich zur Schlacht zu stellen. Es ist der englische König Edward III., sein Rivale um den Thron Frankreichs.

Crispianus schaut ungläubig, so weit sein Blick reicht auf das riesige Heer im Süden. Seine Augen sind scharf wie die eines Adlers, er ist ein englischer Langbogenschütze in der Armee des Königs. Von Politik hat er wenig Ahnung, warum sein König dieses fremde Land beansprucht ist ihm gleich. Der Feldzug verspricht Geld, Ruhm und Aufstieg. Als neuer Sergeant Centenar und Oberbefehlshaber der Hundertschaft der königlichen Bogenschützen Leibgarde hat sich dieser Krieg für ihn schon mehr als gelohnt. Reichlich Beute verspricht das was er am Horizont sieht, und er vertraut auf seine Fähigkeiten und seinen Eibebogen.

Auf ihren wertvollen Schlachtrössern mit ihren bunten Wappenröcken und Pferdedecken bilden die vielen tausend französischen Ritter ein prächtiges Bild muss Crispianus zugeben. Sie tragen als Angehörige der paneuropäischen Kriegerkaste, die Hauptlast des Kampfes. Sie sehen sich selbst als die Blüte der Ritterschaft des christlichen Abendlandes. Begierig und voller Hochmut warten Sie nur darauf sich auf die verhassten Feinde zu stürzen. Sie fühlen sich durch die Engländer gedemütigt, die weite Teile des Königreichs Frankreich verwüstet haben. Keinesfalls als ebenbürtige Kämpfer betrachteten Sie das eigene Fußvolk, kampfunerfahrene Milizen und genuesische Söldner, sie waren als notwendiges Übel angesehen worden.

Eine andere Taktik wurde von den Engländern verfolgt, sie erwarteten ihre Gegner oft zu Fuß. Crispianus der selbst kein Ritter ist kann dieser Sinneswandel seines Königs nur recht sein. Das Idealbild des strahlenden Kämpfers zu Pferd, hielt sich wohl nur noch in Geschichten welche seine Großmutter ihm früher reichlich vorgelesen hat. Wo noch Ehre und Mut, und Tugenden der Ritterlichkeit zählten. Heutzutage zählt nur der Sieg und es bleibt wenig Zeit für herzliche Ritterlichkeit.

Deshalb haben Englands Ritter die Vorstellung des Kampfes Mann gegen Mann – Ritter gegen Ritter, als einzige standesgemäße Form der Kriegsführung aufgegeben. Für sie sind die erfahrenen und vielfach kampferprobten Bogenschützen, die zahlenmäßig den größten Teil des englischen Heeres bilden, unverzichtbare Mitstreiter.

Bei Crècy en Ponthieu prallen also zwei von Grund auf verschiedene militärische Weltanschauungen aufeinander. Die Schlacht bei Crécy ist die erste große Landschlacht in einer Auseinandersetzung, die spätere Generationen den „Hundertjährigen Krieg“ nennen werden. König Edward III. schlug in der Schlacht zu Crécy gegen Frankreichs König Philip VI, den gesamten Adel Frankreichs, nur mit seinen Bogenschützen. Die adelige Kriegerkaste hat versagt. Erschwerend kommt hinzu, dass die französischen Ritter nicht im ritterlichen Kampf Mann gegen Mann Gleichrangigen unterlegen sind, sondern von niedrig geborenen Bogenschützen wie Crispianus besiegt worden sind. Der Bogen ist damit auch zum Instrument der sozialen Umwälzung geworden.

Die Bogenschützen sind in England nicht mehr nur bewaffnete Gemeine, die zu nichts als Hilfediensten taugen, sich ansonsten aber nach mittelalterlich ritterlichem Verständnis vom eigentlichen Kampf, dem von Ritter gegen Ritter, fernhalten sollten. Sie haben sich vielmehr zu einer eigenständigen, schlachtentscheidenen Waffengattung entwickelt. Sie werden zu einer Kriegerelite, die Aufnahme in die Gefolge der Adeligen findet und in anderen Teilen Europas, vor allem in Italien, als Söldner geschätzt wird. Die Kampfstärke der englischen Bogenschützen wird Legende. Somit gehört es zu den beeindruckendsten Ereignissen der Militärgeschichte des Mittelalters, das die Engländer mit Hilfe ihrer Langbogenschützen gegen weit überlegene französische Ritterheere siegten.


Warum toxophilus.net?

Roger Ascham schrieb den Toxophilus 1545 und widmete sein Werk König Heinrich VIII. Toxophilus ist die älteste und meistzitierte umfassende Anleitung zum Bogenschießen des Europäischen Kulturkreises und erklärt zudem ausführlich die Ausrüstung der Bogenschützen der Antike und des ausgehenden Mittelalters.


In der Epoche des Hundertjährigen Krieges 1337 - 1453 kam kein Bogenschütze auf die Idee, dass Wissen um den Einsatz des Langbogens als Kriegswaffe niederzuschreiben. Die Schützen die gebildet waren, schossen vermutlich zu wenig  und wenn vorwiegend auf der Jagd. Erfahrene Langbogenschützen wie Crispianus die ihren Bogen als Waffe Mensch gegen Mensch einsetzten, kamen vorwiegend aus dem einfachen Landfolk, und waren sehr oft nicht gebildet. So gab es in der Geschichte nur wenige Männer, die in der Lage waren, darüber zu schreiben.


Der Dialog zwischen Philogus, dem Freund des Wortes, und Toxophilus, dem Freund des Bogens, gewährt tiefe Einblicke in die Antike und die Renaissance und erlaubt durch seine Zeitlosigkeit einen fachlich fundierten und höchst amüsanten Spaziergang durch die Kunst des Bogenschießens. Entgegen der Gepflogenheit jener Zeit, lateinisch oder griechisch zu schreiben, verfasste Ascham sein Werk „in the Englishe tongue“, um es einer möglichst breiten Leserschaft zugänglich zu machen. Ich möchte mit der Website toxophilus.net auch eine breite Leserschaft erreichen und meine Leidenschaft für das mittelalterliche Bogenschießen näher bringen.


Crispianus mein Alter Ego

Crispianus Bogenschütze der königlichen Leibgarde Edward III. und Anführer der Spezialeinheit „Eibenhecke“ möchte euch durch diese Zeit führen. Crispianus wundert sich oft, dass die Mönche und Hofschreiber den Krieg in ihren Büchern so farbenfroh darstellten. Mit ihren Pinseln aus Eichhörnchenhaar malten sie Männer in leuchtend bunten Waffenröcken und Pferde mit passend gemusterten Schabracken. Doch in Wirklichkeit war der Krieg meistens grau, zumindest bis die Pfeile trafen und sich Rot darunter mischte. Wenn du mehr über Crispianus und seine Geschichte im Hundertjährigen Krieg erfahren möchtest, folge dem Pfeil 

Ich versuche meinen fiktiven Charakter Crispianus möglichst historisch korrekt darzustellen Stichwort „Living History & Reenactment“. Das ist eine Aufgabe die viel Fachwissen und Zeit erfordert, ich möchte mit dieser Website Fachwissen sammeln und mit Menschen in Kontakt kommen die ihr Wissen und ihre Erfahrung teilen. Ich freue mich über jeden Kontakt sei es Lob, Kritik oder um Mitstreiter die ein ähnliches Hobby wie ich haben zu finden.

Erforsche die unterschiedlichen Bereiche dieser Website. Unter Ausrüstung findest du meine Interpretation der Gegenstände eines Langbogenschützen im Hundertjährigen Krieg. Fotos zeigen mich auf diversen Mittelaltermärkten in voller Gewandung. Unter Bücher kannst du meine bisherige Literatur zum Thema sehen und meine Bewertung dazu lesen. Bogenfibel soll eine Wissensdatenbank im Hundertjährigen Krieg sein, für alle die etwas nachschlagen möchten. Wenn du mit mir persönlich Kontakt aufnehmen willst, schreib mir eine E-Mail, nutze den Blog oder besuch mein Profil bei Facebook.

Also viel Spaß bei toxophilus.net und ...

Für Sankt Georg!

 










Willkommen im Hundertjährigen Krieg 1337 - 1453

Zeitleiste 14/15. JH:


1302

Papst Bonifaz VIII. verkündet in seiner Bulle „Unam sactam“ den päpstlichen Weltherrschaftsanspruch.

1309

Papst Klemens V. verlegt den Papstsitz nach Avignon. Damit beginnt die sogenannte „Babylonische Gefangenschaft der Kirche“.

24.06.1314

Schlacht von Bannockburn

1318

In Venedig wird ein Gesetz zur Geldüberschreibung (Giro) erlassen und damit ein neues Zahlungssystem entwickelt.

20.01.1327

Edward II. wird zur Abdankung gezwungen und weniger später ermordet

19.10.1330

Edward III. stürzt das Regime der Königsmutter und Roger Mortimers und erlangt die Macht

1337

Beginn des Hundertjährigen Krieges

24.06.1340

Seeschlacht von Sluis

26.08.1346

Schlacht von Crécy

1347

Fall von Calais

1348 - 1349

Erster Ausbruch der Pest

1350

Teilung des englischen Parlaments in Ober- (House 0f Lords) und Unterhaus (House of Commons), das das Petitionsrecht erhält.

03.04.1367

Schlacht von Najera

1376

Das „gute“ Parlament

1381

Bauernrevolte

1388

Das „gnadenlose“ Parlament

29.09.1399

Richard II. wird zur Abdankung gezwungen und am nächsten Tag formal vom Parlament abgesetzt; weniger Wochen später wird er in Pontefract ermordet

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